Mit Enlightened, baby betreten POM eine neue Phase – lauter, verspielter und gleichzeitig verletzlicher als je zuvor. Das zweite Album der Band aus Amsterdam erschien am 28.05.2026 via popup records und ist kein geradliniges Statement, sondern ein flackerndes Gefühlsprotokoll zwischen Euphorie und Überforderung.
Nach ihrem gefeierten Debüt „We Were Girls Together“ und der EP AAAAH! treiben POM ihren charakteristischen Fuzz-Pop weiter auf die Spitze: süß wie Zuckerwatte, scharf wie Tabasco. Was zunächst wie ein überdrehtes Pop-Album klingt, trägt eine andere Geschichte in sich. Entstanden im Schatten eines persönlichen Verlusts, verwandelt Enlightened, baby Trauer nicht in Schwere, sondern in Bewegung. Helle Melodien, treibende Rhythmen und hymnische Refrains wirken wie ein Gegenmittel. Nicht gegen den Schmerz selbst, sondern gegen das Gefühl, darin stecken zu bleiben.
„If you had asked me a year ago how I felt about death, I would have said: I’m not afraid of it; I’m enlightened, baby.“
Dieser Gedanke zieht sich wie ein ironischer Unterton durch das Album. Die vermeintliche Erleuchtung wird hinterfragt, gebrochen und neu zusammengesetzt, in Songs, die weniger Antworten geben als vielmehr Perspektiven öffnen.Musikalisch erweitern POM ihr Klangspektrum deutlich: Neben verzerrten Gitarren und roher Energie treten Drum Machines, Synths und vielschichtige Vocal-Arrangements. Die Songs wirken größer, offener und gleichzeitig intimer. Tracks wie „I WANT IT!“ feiern die Liebe in all ihren Formen, während Stücke wie „LOVERS“ oder „Sickening“ den Blick nach außen richten und Geschichten anderer Menschen spiegeln als würde man sich selbst erst im Gegenüber erkennen.
Wie schon auf früheren Releases verweigern sich POM klassischen Songstrukturen. Stattdessen entstehen dynamische, manchmal fragmentarische Kompositionen, die sich ständig verändern – so unberechenbar wie die Gefühlswelt, die sie einfangen. Zwischen Garage, Pop und Punk bleibt immer Raum für Brüche, für Übertreibung, für Humor. Auch der Entstehungsprozess des Albums spiegelt diese Offenheit wider: Selbst produziert von Gitarrist Luc Siegers, wuchs Enlightened, baby über Monate hinweg organisch. Skizzen wurden erweitert, Stimmen ergänzt, Ideen verworfen und neu gedacht. Freund:innen der Band tauchen als Chöre und Stimmen immer wieder auf und verleihen dem Album eine kollektive Dimension als würde man gemeinsam durch etwas hindurchgehen, das alleine kaum greifbar wäre. Enlightened, baby ist ein Album über das Weitermachen. Über das Scheitern an den eigenen Erwartungen. Und über die leise Erkenntnis, dass man vielleicht nie „fertig“ ist – sondern immer irgendwo dazwischen. Nahbar, überdreht und voller Widersprüche: Dieses Album hält nicht fest – es lässt los. Und genau darin liegt seine Kraft.