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7ebra und ihr neues Album How to Land a Plane gegen das Chaos der späten Zwanziger

    Es gibt kein Handbuch für die Mitte und das Ende der Zwanziger. Wer man ist, was man will und wo man eigentlich längst sein sollte, bleibt ein Rätsel. Man kann nur annehmen, dass alle anderen die Antworten haben, während man selbst herumstolpert. Für die Zwillingsschwestern Inez (Gesang, Gitarre) und Ella Johansson (Gesang, Keys, Drumcomputer) fühlt sich das an, als würde man ein Flugzeug landen, ohne eine Anleitung zu haben: Man greift nach den richtigen Hebeln und hofft, dass man nicht alles zu Bruch fliegt.

    Genau dieses Gefühl trägt How to Land a Plane, das zweite Album des Duos aus Malmö, das am 25.09.2026 über PNKSLM Recordings erscheint. Über ihrem eingängigsten und vielschichtigsten Songwriting bislang verhandeln 7ebra die Unsicherheiten, Frustrationen und Peinlichkeiten dieser Lebensphase — nicht zuletzt die verstörenden Auswirkungen des Kapitalismus auf das junge Erwachsenenleben, inspiriert auch von der Spätkapitalismus-Satire der Serie Severance. „It’s about feeling a bit messy, and not getting it right. Having a struggle just existing with yourself“, sagt Inez.

    Die Songs sind extrovertierter als der nach innen gekehrte, verhangene Sound von Bird Hour (2023), voller surrender Synths, drängender Drums und ansteckender Hooks, mit einer augenzwinkernden Ironie in Stücken, die im Kern dunkel und traurig sind. Über die ganze Platte hinweg navigieren die Schwestern gemeinsam durch den Beginn des Erwachsenenlebens in einer unwirtlichen Welt und scheinen dabei zu verschmelzen: Stimmen prallen voneinander ab, Instrumente tauschen die Führung. Es ist der Sound von zwei Menschen, die einander besser verstehen als alle anderen, und einer kreativen Partnerschaft, die zu sich selbst findet. How to Land a Plane macht 7ebra zu einer der spannendsten Bands, die seit Langem aus Schwedens IndieSzene hervorgetreten sind.

    Aufgewachsen in einem musikalischen Haushalt, verfolgten beide zunächst bewusst getrennte musikalische Wege. 7ebra begann als Schlafzimmer-Soloprojekt von Inez; als Produzent Tore Johansson (The Cardigans, Franz Ferdinand) sie zu ihrer ersten Show in den Tambourine Studios in Malmö einlud, holte sie Ella dazu. „If I were to write with someone else, it would feel very scary to me“, sagt Inez. „We’re not afraid to say if we don’t like something, it’s very open.“

    Das Debütalbum Bird Hour (2023) erschien unter Aufmerksamkeit von Pitchfork, DIY, Clash, The Sunday Times, Bandcamp Daily und BrooklynVegan und zog einen erfolgreichen Tourzyklus nach sich: Großbritannien, USA und Japan, Auftritte bei End of the Road, SXSW, The Great Escape und Sziget sowie Support-Shows für Arab Strap, Future Islands, The Dandy Warhols, Teleman und Paolo Nutini.

    How to Land a Plane entstand mit dem Produzenten Jens Lindgård und wurde im Gula Studio in Malmö aufgenommen. Der erste Song dieses Albums ist „Magical Thinking“: Blissed-out Ambient-Pop aus benommenen Synths, luftigem Gesang und synkopierten Beats. Inhaltlich kreisen die Schwestern um den unvernünftigen Wunsch, Dinge zu kontrollieren, die außerhalb der eigenen Reichweite liegen. „We tend to think magically and I find it a bit funny and childish“, sagen sie. „Worrying about things you have no control over can make it feel like you do have control. And this is just the way of life sometimes, at the end of the day you still have to do your errands.“

    Die Vorab-Single „Dinner and a Movie“ entwickelte sich aus einer Gitarrenlinie im Fahrwasser von The xx heraus in einen straffen, kompakten Indie-Pop-Song. Der ansteckende Refrain klingt nach einer romantischen Anspielung, verdeckt aber ein dunkleres Thema: Scham und Reue nach einer durchgemachten Nacht. In einer ähnlichen Diskrepanz aus musikalischer Leichtigkeit und inhaltlichen Schwere bewegt sich auch „Normal Song“. Die Band beschreibt ihn als Popsong darüber, einen normalen Song zu schreiben, in dem man auf einem offenen Feld weinen will — und lässt genau diese Zeile erstrebenswert klingen. Beim ersten Hören ein unbeschwerter Festival-Song, dann merkt man, wie traurig er eigentlich ist.

    Auch auf „I Have to Buy Stuff“ schrecken die Schwestern nicht vor schwerverdaulichen Themen zurück: Ein Track über die gleichzeitige Erschöpfung durch Konsum und das perverse Verlangen, weiter zu konsumieren. Im Text paraphrasiert Inez Liam Neeson aus „96 Hours“ und zitiert Fugazis „Waiting Room“ — den Warteraum, für den man einen Passierschein braucht.

    Der Song „15 With Me“ handelt vom Weiterleben des eigenen Fünfzehnjährigen-Ichs: von einem Gefühl, das seit der Jugend geblieben ist, vom fremden Blick auf den eigenen Körper und von einer Wut, für die sich die Erzählerin im selben Atemzug entschuldigt. Bei diesem Track ist zusätzlich das Xylofon von Jens Lindgård zu hören.

    Der Fokustrack des Albums „Lime Green Jello“ ist dagegen zurückgenommen und kreisend. Einer der Songs, die aus Inez‘ Arbeit als Friedhofsgärtnerin entstanden sind. „I get stuck in loops, examining my personality and identity, which is very frustrating and doesn’t really do anything good“, sagt Inez. „The conclusion is I’m just a person with nothing exciting or original to say sometimes.“

    Zwölf Songs über das Erwachsenwerden in einer unwirtlichen Welt — dunkel im Kern, mitsingbar an der Oberfläche, und der Beweis, dass man eine Landung auch ohne Anleitung hinbekommt. How to Land a Plane erscheint am 25.09.2026 via PNKSLM Recordings.