Auf ihrem zweiten Album The Way You Talk Reminds Me Of Home zeigen sich BLUAI so, wie sie live klingen: unmittelbar, roh und eng miteinander verbunden. Mit „Sober“, „Alive“, „It’s Gotta Be Me“ und „Make A Living“ hat das Indie-Pop-Trio aus Antwerpen in diesem Jahr bereits vier Vorab-Singles veröffentlicht – am 30.10.2026 folgt nun via Unday Records das komplette Album. Zwei Jahre nach dem gefeierten Debüt Save It For Later und einer beeindruckenden Reihe von Shows auf einigen der größten Festivals Europas legt die Band damit ihr bislang ambitioniertestes Werk vor.
The Way You Talk Reminds Me Of Home ist ein Album über das Leben zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Seine Songs beginnen in Gesprächen – mit Familie, Freund:innen, Partner:innen und Menschen, die nach Jahren plötzlich wieder auftauchen – und machen aus kleinen Momenten Reflexionen über Kindheit, Liebe, Trauer, Verantwortung und die Unsicherheit, auf die Dreißig zuzugehen. Statt einer klassischen Coming-of-Age-Platte geht es hier ums Herausfinden: Die Stücke wurzeln in realen Situationen und Beziehungen, erkunden die Muster, die wir wiederholen, die Menschen, um die wir uns sorgen, und die Dinge, die sich schwer laut aussprechen lassen. Das tiefgründige Songwriting wird dabei zusammen mit den Indie-Folk-Wurzeln und Alt-Pop-Einflüssen von BLUAI zu einem Raum, in dem Ehrlichkeit möglich ist, ohne einfache Antworten finden zu müssen.
Der Titel fasst den zentralen Gedanken zusammen: Manchmal kann eine Stimme, ein Satz oder eine vertraute Art zu sprechen einen plötzlich an einen Ort – oder zu einem Menschen – zurückversetzen, den man längst hinter sich gelassen glaubte. Heimat verschwindet nie ganz. Sie taucht in unerwarteten Formen immer wieder auf. Die Zeile selbst stammt aus „Sober“ – jenem Song über einen alten Freund, der mit seiner Sucht ringt, mit dem BLUAI sich im März nach mehr als zwei Jahren zurückgemeldet haben.

Produziert wurde das Album von Isabel Gracefield (Radiohead, Anna Calvi, Self Esteem) mit einem bewusst instinktiven und kompromisslosen Ansatz. Die elf Songs wurden mit der kompletten Band live in nur fünf Tagen eingespielt, gefolgt von einem einzigen Tag für Overdubs. Songwriterin und Gitarristin Catherine Smet sang jeden Song live zusammen mit der Band, oft in einem einzigen Take. Manche Stücke entstanden mit nur ein oder zwei Mikrofonen – viel Raum für nachträgliche Korrekturen blieb da nicht. Alles musste im Raum funktionieren: Timing, Dynamik, Emotion. Die Sessions fanden in den legendären RAK Studios in London statt, wo zwei Wochen abseits des Alltags eine konzentrierte, fast kokonartige Atmosphäre schufen. Umgeben von der Geschichte des Studios arbeitete die Band mit Willem Ardui, der schon ihr Debüt produziert hatte, und Juyane Kaya, deren Musikalität dem Prozess frische Energie verlieh. Beeinflusst von Feist, Adrianne Lenker und MJ Lenderman bewegt sich das Album zwischen intimen Geschichten über Familie, Freundschaft und Beziehungen und dem größeren Gefühl von Druck, Unsicherheit und Älterwerden.
Wie nah die Songs am eigenen Leben von Catherine Smet entstanden sind, zeigt sich überall auf dem Album. „Alive“ schrieb sie im Schatten des Verlusts ihrer beiden Großmütter – aus einem Gefühl von Schuld über verpasste Zeit wächst der fast dringliche Wunsch, das eigene Leben bewusster zu erfahren. „It’s Gotta Be Me“ erzählt, getragen von zart gezupften Gitarren, vom Moment, in dem Festhalten niemanden mehr glücklich macht – und nur eine Entscheidung bleibt: selbst diejenige zu sein, die geht. In „Make A Living“ antwortet sie auf einen Satz von einer Hochzeitsfeier: „Das habe ich nie von dir gedacht“ mit Selbstzweifeln und dem Durchhaltevermögen, trotzdem das zu tun, was man will. „When I’m Old Enough“ ist eine Art Ode an ihren Vater, der Himmel und Erde für sie bewegen würde und dabei manchmal ziemlich hart sein kann – ihr eigenes „Old Man“ im Geiste von Neil Young. „Greta’s Couch“ blickt zurück auf die Kindheit bei der Tante, die oft auf sie und ihre Brüder aufpasste, und darauf, was der kindliche Blick damals nicht sehen konnte. „Rosanne“ entstand aus einem beinahe urtümlichen Beschützerinstinkt gegenüber der kleinen Tochter ihres ältesten Bruders, während „Help Is On The Way“ – begonnen als eine Art endloser, von Bob Dylan inspirierter Text – auf eine Gesellschaft antwortet, die immer mehr Energie fordert, und trotzdem hoffnungsvoll bleibt. Dazwischen: „Runner Up“ über das Gefühl, immer an zweiter Stelle zu kommen, „Killing Time“ als Mischung aus Banalität und schonungslos ehrlichen Geständnissen und „The Long Run“.
Seit der Veröffentlichung ihres gefeierten Debütalbums Save It For Later (2024) haben sich BLUAI kontinuierlich einen Namen gemacht. Nach dem Gewinn der drei wichtigsten belgischen Musikwettbewerbe wurde die Band zu einem festen Bestandteil der belgischen Radiosender und Festivalprogramme, unter anderem mit Auftritten bei Rock Werchter, Pukkelpop und dem Cactus Festival. Auch über Belgien hinaus haben BLUAI ihre Reichweite in Europa ausgebaut und sind beispielsweise im Hyde Park (UK), bei Live at Leeds (UK) oder Lowlands (NL) aufgetreten. So wurden sie außerdem als „Band to watch“ vom Rolling Stone UK vorgestellt.
The Way You Talk Reminds Me Of Home ist ein Album über dasunvollkommene Lieben, über das, was man aus der Vergangenheit mitnimmt – und über den Versuch, sich im eigenen Leben zurechtzufinden.Dieses zweite Album von BLUAI erscheint am 30.10.2026 via Unday Records.
Foto: Anneke D´Hollander