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Der Soundtrack zum Ende: Les Big Byrd und ihr dystopisches Meisterstück „Ruin Everything“

    „We all know what’s coming.“ Mit dieser Zeile eröffnet Jocke Åhlund das epische Herzstück „Big Flood“ und setzt damit den Ton für Ruin Everything, das fünfte Album von Les Big Byrd. Ruin Everything erscheint am 05. Juni 2026 via Chimp Limbs / PNKSLM Recordings. Inspiriert von Ragnarök, der nordischen Apokalypse, entfaltet sich eine Platte, die tief im Zeitgeist verwurzelt ist: düster, visionär und von einer unterschwelligen Dringlichkeit durchzogen. Zwischen kosmischen Klanglandschaften, stoischen Grooves und eindringlichen Melodien zeichnen Les Big Byrd das Bild einer Welt am Abgrund.    

    Seit über einem Jahrzehnt zählen die Stockholmer zu den eigenständigsten Stimmen im europäischen Psych– und Krautrock. Das Quartett um Åhlund, gemeinsam mit Frans Johansson, Christian Olsson und Nino Keller, perfektioniert auf Ruin Everything einmal mehr die Balance zwischen ausufernden, hypnotischen Jams und unmittelbarer Pop-Sensibilität. „Ich kann einfach nicht aufhören, Melodien zu schreiben“, sagt Åhlund – und tatsächlich zeigt sich das Album zugänglicher denn je, ohne dabei an Tiefe zu verlieren.

    Schon der pulsierende Opener „Hökvind“ – eine im Studio entstandene Jam-Session, deren Titel augenzwinkernd auf „Hawkwind“ verweist – lässt Gitarren und Synthesizer spiralförmig in die Höhe steigen. Tracks wie „Artificial Sunlight„, eine erstaunlich offene Ode an den Rausch, oder der titelgebende Song „Ruin Everything„, den die Band selbst als „Letter of Intent“ beschreibt, verbinden treibende Grooves mit detailverliebter Klangarbeit. Letzterer entstand rund um einen Roland SH-101-Synth-Riff und wird von einer Basslinie getragen, die vom verstorbenen Mani (The Stone Roses) inspiriert ist.

    Gleichzeitig beweisen Les Big Byrd ein feines Gespür für Atmosphäre und Dynamik: Das schwedischsprachige „Nån annan dag“ schwebt auf dichten Feedback-Gitarren, während „Time Is a Killer“ – eine Referenz an William S. Burroughs – sich langsam aufbaut und in einem explosiven Finale entlädt, das an The Velvet Underground erinnert. Mit „Searchlight“ findet sich zudem die einzige Liebesgeschichte des Albums, stilistisch irgendwo zwischen Stereolab und der schwedischen Indie-Institution bob hund – zumindest war das der Plan, bevor die Band, wie so oft, „den Kompass verlor“.           

    Den Abschluss bildet „Beginners Luck„, ein ungewöhnlicher Ausflug in gospelartige Gefilde. „Ich bin nicht religiös, aber ich wollte dieses Gefühl von Hoffnung einfangen“, erklärt Åhlund. Getragen von einer stoischen Basslinie entfaltet sich ein Song, der zwischen Zweifel und Zuversicht oszilliert.     

    Aufgenommen wurde Ruin Everything in einem Studio nördlich von Stockholm, dessen analoge Ausstattung und jahrzehntelange Musikgeschichte hörbar in die Aufnahmen einfließen. Ziel war es, die rohe Energie der Live-Shows einzufangen. Dieses schwer greifbare Zusammenspiel von vier Musikern, aus dem etwas Größeres entsteht. „Es geht um dieses Gefühl, das zwischen uns passiert“, so Åhlund.      

    15 Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung wirken Les Big Byrd fokussierter denn je. Ruin Everything ist kein Neuanfang, sondern eine Verdichtung – ein Album, das ihre musikalische Identität auf den Punkt bringt. Oder, wie Åhlund es selbst formuliert: „Wir sind Spätzünder. Aber jetzt fängt es endlich an, Form anzunehmen.“

    Foto: Dan Kendall